Placebo EffektLange vor der Zeit von Viagra, Cialis und Levitra sowie deren Generika, nutzten Menschen natürliche Mittel und angebliche Aphrodisiaka, um die Potenz des Mannes zu unterstützen. Nicht immer war dieses Vorhaben von Erfolg gekrönt oder es handelte sich „nur“ um einen Placebo-Effekt. Nun betritt erneut ein angebliches Wundermittel die medizinische Bühne, deren Wert in Insiderkreisen mit Tausenden von Euro beziffert wird – die Rede ist von einem seltenen tibetischen Raupen-Pilz namens „Yarshagumba“. Doch kann der Pilz wirklich das halten, was er verspricht?

Der Yarshagumba-Hype ist in der Szene der Reichen und Schönen zu einem echten Phänomen geworden, der mitunter fast schon verrückte Ausmaße annimmt – erst kürzlich wurden für ein Kilogramm des „natürlichen Viagras“ 40.000 Euro gezahlt. Einen Beweis für die Wirksamkeit gegen Impotenz gibt es jedoch bis heute nicht.

Wie entsteht der Yarshagumba-Pilz?

Der Yarshagumba ist ein Raupen-Pilz – und das ist leider genauso unappetitlich, wie es klingt: Die Sporen des Yarshagumbas nisten sich in die Motten der Fledermaus ein, um dort zu einem Pilz zu gedeihen, indem er sich von den Innereien der Raupe ernährt. Die Raupe wächst normalerweise oberhalb der Erdoberfläche. Der Pilz jedoch übernimmt buchstäblich die Kontrolle über die Bewegungen der Raupe, damit diese sich in die Erdoberfläche eingräbt. Allerdings nur soweit, dass der Pilz im Frühjahr aus dem Kopf der Raupe heraus, die Oberfläche durchbrechen kann.

Zuhause ist der Yarshagumba im rund 3.000 bis 5.000 Metern Höhe in Tibet. Der bis zu 15 cm große Pilz wird dabei von den Tibetern ausgegraben, sodass pro Jahr eine Ausbeute von bis zu 200 Tonnen zusammenkommt. Grund für die Yarshagumba Sammelsucht ist jedoch nicht nur deren (bisher nicht bewiesene) potenzsteigernde Wirkung – auch die antibiotischen Eigenschaften machen ihn so wertvoll.

Was kann der Yarshagumba wirklich?

Die potenzsteigernde Wirkung, die dem Yarshagumba nachgesagt wird, untersuchen Forscher zurzeit in einer Studie: Untersucht wird bei den Probanden, ob Erektionsprobleme durch die Einnahme einer entsprechenden Menge des Pilzes wirklich gelindert werden können. Auch einen eventueller Placebo-Effekt haben die Wissenschaftler dabei auf dem Schirm. Wissenschaftliche betrachtet könnte es sein, dass der Yarshagumba das Muskelgewebe im Penis entspannt, sodass eine bessere Durchblutung möglich ist. Die Folge: häufigere Erektionen. Selbst unter der Prämisse, dass dies wirklich der Fall ist – von der Marktreife ist der Yarshagumba jedoch noch weit entfernt.

Neben der Luststeigerung ist jedoch eindeutig, dass der Yarshagumba – wie der Trüffel-Pilz – gegen Krebs und Viren sowie hohe Cholesterin-Werte kann er helfen. Grund dafür sind die Inhaltstoffe, wie beispielsweise Glykoproteine, Polysaccharide, B-Vitamine und essentielle Aminosäuren sowie Spurenelemente und Mineralstoffe.

Ob der Yarshagumba wirklich 40.000 Euro pro Kilogramm wert ist, sei dahin gestellt. Eine potenzsteigernde Wirkung ist möglich, jedoch nicht bewiesen – anders die gesundheitsfördernden Vorteile des Raupen-Pilzes. Eine natürlich Viagra-Alternative ist der Yarshagumba deshalb noch lange nicht.